Dienstag, 20. November 2007

Was wir so essen

Frisches Obst und Gemüse vom Markt: Papayas, Gurken und Möhren.

Empanada mit Käsefüllung.

Kleiner Rindfleisch-Snack.

Bolinhos de Pirarucú.

Die nächsten Pläne

Liebe Freunde,
wir verlassen heute, Dienstag, den 20.11., Manaus und fahren etwas tiefer in den Amazonas und den Dschungel hinein. Mit dem Blog geht es dann Anfang Dezember weiter, wenn wir in Brasilia wieder in der Nähe einer Internet-Connection sind.

Schöne Zeit!

Gerda und Karsten

9. Tag: In Manaus

Montag, den 19.11.2007
Letzter voller Tag in Manaus. Morgen geht es in die Casa de Caboclo, einer Dschungellounge, wo wir eine brasilianische befreundete Familie von Gerda besuchen. Die Zeitung verspricht Temperaturen bis zu 33 Grad. Wir müssen noch Geldziehen und wollen uns noch den Stadteil Ponta Negra angucken. Geldziehen ist in Brasilien immer abenteuerlich. Die Banken werden von grimmigen Wachmännern mit großen Colts bewacht, man bekommt pro Tag nur 600 Reais und mal nehmen die Automaten die Kreditkarten nicht. Auch diesmal brauchen wir drei verschiedene Automaten, um endlich an Bargeld zu kommen.

Abends leisten wir uns im Hotel Tropical, dem ersten Haus am Platze, endlich mal einen Caipirina. Adios Manaus!

8. Tag: In Manaus

Sonntag, den 18.11.2007
Das Zentrum ist wie ausgestorben. Die Geschäfte und Buden haben geschlossen, es fahren kaum Busse oder Autos. Auf der Hauptstrasse gibt es einen Ramschmarkt mit viel Chinaware (fast die gesamten Textilien haben das "Made in China"-Zeichen, wahrscheinlich werden auch die Amazonas-Souvenirs von chinesischen Indianern am Jangtse-Fluss gefertigt), Fress-Ständen und einem antiquarischen Bücherstand, wo wir auch gleich einen Krimi-Comic aus den 50er Jahren und zwei Kinderbücher auf Portugiesisch erstehen. Der Versuch, einen Bildband über das alte Manaus zu bekommen, schlägt hier aber genauso fehl, wie in den drei Buchhandlungen, die wir bisher gefunden haben.

Manaus große Zeit war zwischen 1880 und 1920. Dank des Kautschukbooms stieg die Dschungelmetropole zu einer der reichsten Städte der Welt auf. Hier fuhr die erste Strassenbahn Lateinamerikas, die Markthallen wurden in England vormontiert und das Zollamt bestellte man in Schottland. Die reichen Bürger bauten sich prächtige Villen. Dann schafften es die Engländer, in Südostasien Kautschukplantagen anzulegen, das Monopol war gebrochen, der Glanz Manaus verblasste innerhalb weniger Jahre, die Stadt fiel in einen Dornröschenschlaf. Der dauerte bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Dann erklärte man Manaus zur Freihandelszone. Viele ausländische Betriebe siedelten sich in der Folge an, Arbeitsplätze wurden geschaffen und zwischen 1970 und heute wuchs die Stadt von 300.000 Einwohnern auf 1,6 Millionen. Und der Zuzug hält an. Wie in anderen brasilianischen Städten auch, lebt ein Großteil der Bevölkerung in den Favelas genannten Armenvierteln und ein kleiner Teil in Appartmenthochhäusern alá Florida hinter hohen Sicherheitszäunen.

Abends Sinfonie-Konzert in der Oper. Das Orchester von Manaus feiert sein zehnjähriges Jubileum mit einer Reihe von Freikonzerten. Wir stellen uns brav in die Schlange der Wartenden und gelangen im Gänsemarsch in die Oper. Wir sitzen mit zwei älteren Damen in einer schönen Loge und stellen uns, während sich das Teatro Amazonas füllt, vor, wie das vor 100 Jahren gewesen sein muss. Keine Klimaanlage, die Damen in großer Abendgaderobe, die Männer im Frack und der Kapellmeister kurz vor dem Hitzschlag. Heute ist das Theater angenehm temperiert, die Instrumente verstimmen sich nicht und der Dirigent hat keine Schweissflecken unter den Achseln. Es gibt ein zweistündiges Programm mit Mozart, Grieg, Beethoven und anderen Großen der Musikgeschichte. Ein erhebenes Erlebnis. Danach machen wir uns wieder zu Fuß durch die leeren Strassen zum Hotel auf. Wieder nix passiert.

7. Tag: In Manaus

Samstag, den 17.11.2007
Schwüle Hitze lähmt die Bewegungsfreudikeit. Verbringen den Tag im Hotelpool und auf der Terrasse. Habe das Gefühl, daß man selbst im Wasser schwitzt. Abends gehen wir zum Teatro Amazonas, sehen auf einer Freiluftbühne den örtlichen Tanzverein CanCan und Tango tanzen. Den Mitwirkenden rinnt der Schweiss über den ganzen Körper. Die Zeitungsverkäufer balancieren die dicke Sonntagsausgabe auf dem Kopf. Wenn man ein Exemplar kauft, bekommt man es elegant von oben gereicht. Die Schlagzeile des Wochenendes: Manaus erstickt in Kriminalität. 50 Morde und 23 Vergewaltigungen im Oktobe, 128 Vorfälle jeden Tag. Unser Reiseführer warnt, sich nach Einbruch der Dunkelheit draussen rumzutreiben. Gehen die 20 Minuten zu unserem Hotel wie immer durch dunkle verlassene Strassen. Nichts passiert. Die erste von sechzehn Reisewochen schon wieder um.

Manaus am Abend

Die Sonne geht unter.

Die Strassen leeren sich.

Im Zentrum läßt die Geschäftigkeit nach.

Die sonst immer vollen Busstationen werden einsam.

Im Hafen gehen die Lichter an.

Die Aussengastronomie boomt.

Montag, 19. November 2007

Das Teatro Amazonas

Das weltberühmte Opernhaus von Manaus steht nicht mitten im Dschungel, sondern mitten in der Stadt.

Das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu Zeiten des Kautschukbooms gebaut und 1990 aufwendig restauriert.

Vorbild soll die Pariser Oper gewesen sein.

Blick in die Kuppel.

Blick in den Zuschauerraum. Wir waren Zuhörer eines Konzertes zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Orchesters der Oper.

Das eher schmucklose Foyer während der Pause.

Standing Ovations für Orchester und Solisten.

Der Chronist nach der Vorstellung.
Alle, die einen Eindruck von der Aufführung bekommen möchten, klicken für ein Dolby- Surround-HDTV-Cinemascope-Erlebnis hier >>>


Samstag, 17. November 2007

Amazonas-Diaschau ist online

Hallo Freunde,
unter http://www.muehlhausetc.de/amazonas/ findet ihr eine Diaschau mit Bildern von der Bootsfahrt zwischen Santarem und Manaus.

Viele Grüße
Gerda und Karsten

6. Tag: In Manaus

Freitag, den 16.11.2007
Wir lassen den Tag ruhig angehen. Ein ausgedehntes Frühstück mit frischen Papajas, Ananas und gebackenen Bananen, sowie Unmengen an Cafe con leche. Die örtliche Tageszeitung berichtet über die Verhaftung von drei Polizisten, die Jugendlichen Rauschgift untergeschoben haben, um die Eltern zu erpressen. Einer der verhafteten Polizisten versteht die ganze Aufregung nicht, das wäre doch völlig normal. Ein Soziologie-Professor erklärt, daß die Polizei noch immer nicht richtig in der Demokratie angekommen sei und daß es an demokratischen Kontrollen fehle.

Bevor es zu heiss wird, holen wir Geld von der Bank und statten dem Markt einen Besuch ab. Danach lange Siesta mit Lesen, Schwimmen im Pool (noch ein gutes Argument für das Ana Cassia) und Blog schreiben. Abends lassen wir uns in der Gegend rund um das Hotel treiben. Essen in einem kleinen Gartenlokal etwas Fettiges, was laut Karte eine Art brasilianischer Hamburger sein soll, und trinken Dosenbier der Marke "Skol". Wir beobachten die Leute um uns. Auch der Brasilianer neigt zum Übergewicht, was aber zumindest die Damen nicht davon abhält, hautenge Kleidung zu tragen. An diesem Freitagabend sind die allgegenwärtigen Flip Flops der Marke "Havaianas" bei den Jungs gegen teure Sportschuhe und bei den Mädels gegen hochhackige Pantoletten eingetauscht worden. In den Kneipen gibt es Live Musik, und wer noch keinen Freund oder Freundin hat, lässt seine Blicke taxierend schweifend.

5. Tag: Ankunft in Manaus

Donnerstag, den 15.11.2007
Der Tag beginnt mit Regen. Wir fahren in eine tiefhängende Wolke und innerhalb von Sekunden regnet es, als ob jemand eine Dusche angestellt hätte. Die offenen Seiten des Schiffes werden mit großen blauen Plastikplanen gegen den Regen geschützt. Gegen 10 Uhr ereichen wir die ersten Industrieanlagen von Manaus. Die Stadt liegt am Rio Negro, ein paar Kilometer unterhalb der Metropole treffen sich der Rio Solimoes und der Rio Negro und vereinen sich zum Amazonas. Der Ort, wo die beiden Flüsse sich vereinen, heißt "Encontro das Aguas", Treffpunkt der Gewässer, und ist einer der touristischen Highlights der Stadt. Denn die schwarzen Fluten des Rio Negro und das gelbschlammige Wasser des Solimoes vermengen sich nicht sofort, sondern fliessen kilometerlang nebeneinander her und mischen sich nur langsam.

Um 11 Uhr legen wir am Porto Flutante, dem schwimmenden Hafen von Manaus an. Schnell die Taschen über die Reling gewuchtet, die Angebote der Träger ignorieren, die Taxifahrer-Schlepper abwehren und zu Fuß zu unserem Lieblingshotel, das Ana Cassia Palace Hotel. Äußerlich hat sich noch immer nichts getan. Wie schon vor anderthalb Jahren, als ich das letzte Mal hier war, und wie schon vor einem halben Jahr, als Gerda das letzte Mal hier war, fehlen dem Schriftzug an der Fassade einige Buchstaben. Das Foyer empfängt uns wie immer mit üppiger Stromsparlampenpracht und tiefgekühlten Temperaturen. Gerda wird wieder erkannt und erhält als Stammkundin gleich einen Rabatt. Wir zahlen für das Doppelzimmer nur 120 Reais, statt 150. (Vielleicht gibt es den großzügigen Rabatt auch deshalb, weil bald Wochenende ist und das Hotel sowieso halbleer ist.) Eine Überraschung hält das Hotel allerdings bereit: Es gibt neuerdings Internet auf den Zimmern. Aus der Klimaanlage kommt ein langes Ethernetkabel.

Wir nehmen im Hotelrestaurant ein fleischhaltiges Mahl, lassen einen zweiten tropischen Wolkenbruch über uns ergehen und nehmen auf der Terrasse hoch über Manaus den Verdauungskaffee. Es ist dieser Blick über Manaus, den Hafen und den Amazonas, den das Ana Cassia so einmalig macht. Ich glaube, man kann Manaus nur mögen oder hassen. Es ist hässlich, von der einstigen Pracht ist nicht mehr viel geblieben, es ist unerträglich schwül, kaum geht man auf die Straße, könnte man schon wieder duschen, aber es ist auch quirlig, bunt, chaotisch, laut. Die Busse fahren im Sekundentakt, die Zahl der Strassenhändler ist unüberschaubar, alle paar Meter bietet dir eine fahrbare Imbissbude wunderliche Speisen an, der Markt ist voll mit Fischen, Fleisch, Obst und Gemüse. Die Händler schreien, die Kunden verhandeln, die Träger ruhen sich im Schatten aus. Der Hafen ist ein einziges Chaos. In die kleinste Lücke am Pier drängen sich noch Schiffe. Die gesamte Fracht wird mit Muskelkraft geladen und entladen. Eine endlose Ketter von Trägern schultert Obstkisten, Getränkedosen, Koffer, Jutesäcke, Dieselmotoren, Möbel und jede Menge Unterhaltungselektronik. Innerhalb weniger Minuten fühle ich mich zuhause.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit laufen wir zum Teatro Amazonas, dem weltberühmten Operhaus. Auch hier meinen viele, es würde mitten im Dschungel stehen. Mitnichten, es steht inmitten einer Millionenstadt. Heute ist der letzte Tag des Amazonas-Filmfestivals. Die Oper ist abgesperrt, rote Teppiche sind ausgerollt und das Fernsehen hat aufwendige Übertragungstechnik installiert. Wir postieren uns in einer Einheimischen-Kneipe am Rande des Geschehens, trinken eiskaltes Bier und schauen dem Aufmarsch der geladenen Gäste zu. Menschen in Abendgarderobe hasten an uns vorbei. Gleich werden die Preise für die Gewinner des Festivals vergeben. Wie nennt man eigentlich einen Einwohner von Manaus? Manauser? Manauese? Egal, der Mann am Nebentisch spricht mich an. Er ist Angestellter der Finanzverwaltung, Filmfreund und schon etwas angetrunken. Er hat sich Englisch selber beigebracht und versucht jetzt, ganz langsam die englischen Wörter korrekt auszusprechen. Liegt es am begrenzten Wortschatz oder am Alkohol, daß das Gespräch schon nach wenigen Minuten in eine Endlosschleife des bereits Gesagten verfällt?

4. Tag: Auf dem Amazonas

Mittwoch, den 14.11.2007
Die Nacht in der engen Kabine war angenehmer als gedacht. Durch die nächtliche Abkühlung war es nicht ganz so stickig und wir haben die Klimaanlage nur ab und zu angemacht. Hatte ich schon erwähnt, daß es saubere Bettwäsche gab, aber keine Decke? Am Anfang ist es etwas komisch, zu schlafen, ohne sich zu zudecken. Aber irgendwann fallen einem die Augen zu. Handtücher gibt es auch keine. So muss man nach dem Duschen, nass in seine Kleidung steigen. Was aber angesichts der Temperaturen nicht weiter schlimm ist. (Ich höre schon den einen oder die andere fragen, wie kann man denn ohne Handtuch reisen? Liebe Freunde, auf den vergangenen Reisen hatte ich immer, immer ein eigenes Handtuch mit, das ich nie, nie, nie gebraucht habe, weil jede noch so billige Absteige immer saubere Tücher bereithielt. Im Zuge der Aktion "Leichter Reisen mit schmalem Gepäck" ist das Handtuch dann auf der Strecke bzw. in Köln geblieben.)

Die Nacht ist für uns um 4 Uhr morgens vorbei. Gegen 5 Uhr werden auch die anderen Gäste langsam munter und um 6 Uhr gibt es Frühstück, ein weiches Weisbrotbrötchen mit Margarine und süssen Milchkaffee. Wir setzen unser touristisches Programm fort: gucken, lesen, Portugiesisch lernen und dösen. Man stellt sich den Amazonas ja gerne so vor, wie der Fluss in Apocalypse Now, undurchdringlicher Busch, Papageien- und Affengeschrei, Krokodile, die träge ins Wasser gleiten. In Wahrheit sieht es hier manchmal aus, wie am Niederrhein. Kleinbauern haben den Urwald gerodet und Felder angelegt, alle paar Kilometer steht eine einfache Holzhütte, alle paar Stunden taucht eine Kleinstadt auf.

3. Tag: Abfahrt nach Manaus

Dienstag, den 13.11.2007
Da das Hotel ein kostenloses WLAN-Netz hat, aktualisiere ich während des Frühstücks den Blog. Wir beschliessen, uns nicht auf die Verpflegung an Bord alleine zu verlassen und gehen noch mal in die Stadt, um Proviant einzukaufen. Der Markt ist ein bischen ausserhalb des Stadtzentrums, direkt am Fluss. Für ein paar Reais erstehen wir kiloweise Papajas und Mangos. Der Fischverkäufer ist sichtlich traurig, daß wir seine Ware verschmähen. In einem kleinen Supermarkt holen wir noch Mineralwasser und Kekse. Wir schleppen uns und unsere Einkäufe ins Hotel zurück, duschen zum zweiten Mal an diesem Tag und fahren mit dem Taxi zum Hafen.

Wir sind gute anderthalb Stunden vor Abfahrt des Schiffes an Bord, zeigen dem Zahlmeister unsere Buchung und erhalten die Antwort, wir sollen uns irgendwo einen Haken für unsere Hängematten suchen. Gerdas Hinweis, daß wir eine Kabine gebucht haben, animiert ihn dazu, unseren Buchungsbeleg nochmals genauer zu studieren. Schließlich ruft er einen Matrosen herbei, der wiederum eine Frau aktiviert - unser Zimmermädchen. Die Kabine wird hergerichtet, die Betten frisch überzogen und ein Techniker überprüft das ordnungsgemässe Funktionieren der Klimaanlage. Mittlerweile ist auch ein älterer Asiate an Bord gekommen, der weder Brasilianisch noch Englisch spricht, und bezieht die Kabine neben uns.

Die Kabine ist groß genug, daß zwei Betten übereinander hinpassen und daß man davor stehen kann. Stuhl, oder gar einen Tisch gibt es nicht. Die Klimaanlage bläst ihre kalte Luft gnadenlos auf den Obenliegenden. Gerda nimmt tapfer die obere Koje, da ich immer noch an einer Erkältung laboriere, die ich mir vorletztes Wochenende in Istanbul zugezogen habe. Etwas über 300 Personen darf das Boot transportieren, es hat sechs Kabinen, von denen diesmal nur zwei belegt sind. Der Rest der Passagiere schläft in der eigenen Hängematte auf dem unteren und mittleren Deck. Ich schätze, daß wir über 200 Leute an Bord haben. Auf dem Mitteldeck, wo auch unsere Kabine ist, hängen die Hängematten dicht an dicht. Diese 200 Fahrgäste teilen sich vier Toiletten und Duschen. Wir Priviligierten aus den Kabinen haben unsere separate Toilette und Dusche. Alles an Bord ist einfach und sauber.

Während wir auf unsere Kabine warten. Füllt sich das Boot weiter. Der Amazonas ist der Hautptransport weg für die Leute hier. Die Städte und Dörfer an seinem Ufer sind meist nur per Boot oder Flugzeug erreichbar. Auch Manaus, die 1,6 Millionen Metropole kann man nicht über Land anfahren. Und so füllt sich das Unterdeck mit Koffern, Obstkisten, Gemüsesäcken und sogar einem Moped. Zu guter Letzt hält noch ein Pritschenwagen, voll mit Holzmöbeln. Irgendjemand stromaufwärts scheint sich neu einzurichten.

Pünktlich um 14 Uhr legt das Schiff ab. In einer eleganten Kurve nehmen wir Kurs auf Manaus. Zeit ein paar Fakten über den Amazonas einzustreuen. Der Einfachheit halber zitiere ich aus dem Reiseführer ("Brasilien" aus dem Stefan Loose-Verlag, dessen Führer haben uns schon gut durch Kalifornien und Mexiko gebracht): Der Amazonas ist das grösste Flußsystem der Erde und hat eine Länge von 6500 km (der Rhein kommt auf 1300 km). Seine Breite beträgt in der brasilianischen Tiefebene sechs bis acht Kilometer, im Mündungsgebiet rund um Belem sind es sogar 250 km. Dort entläßt er pro Sekunde 175 Millionen Liter Wasser in den Atlantik, genug, um in einer halben Minute den Durst aller Erdenbewohner zu stillen. Er besitzt rund 1000 Nebenflüsse mit einer schiffbaren Strecke von ca. 50.000 km."

Die Breite des Stromes läßt sich nur ahnen, denn immer wieder schiebt sich eine der unzähligen Inseln zwischen uns und die Ufer. Das Boot tuckert immer in Ufer Nähe, zerfranzt sich das Ufer durch Nebenflüsse, Buchten oder sonstiges wechselt der Steuermann ans andere Ufer. Wie er seinen Weg findet, ist mir ein Rätsel, ein Karte hat er jedenfalls nicht vor sich. Stunde um Stunde fahren wir. Sehen immer das Gleiche: Das Dunkelgrün der Bäume, das Hellgrün der Wiesen und Felder und das Braun des Ufers. Der Amazonas hat zur Zeit Niedrigwasser. Während der Regenzeit kann er um bis zu 14 Meter steigen. Dann ist vieles, was wir jetzt noch sehen in den schlammig-gelben Wassermassen verschwunden.

Wir vertreiben uns die Zeit mit gucken, lesen, Portugiesisch lernen und dösen. Auf dem Oberdeck gibt es eine kleine Bar und leider einen großen Lautsprecher. Seit der Abfahrt dröhnt hier brasilianische Gute-Laune-Musik ohne Unterlaß. Ich verstehe mein eigenes Wort nicht mehr, die Brasilianer unterhalten sich selbst in unmittelbarer Nachbarschaft der Lautsprecherbox prächtig. Gegen 17 Uhr beginnt die Sonne schnell zu sinken. Wir haben Glück, nur wenige Wolken am Himmel und so erleben wir einen kurzen, aber schönen Sonnenuntergang. Mit der Sonne verschwindet auch die schwüle Hitze. An Deck weht eine angenehme Sommerbrise, mit einer Dose Bier starren wir in die Dunkelheit. Obwohl das Ufer nur zehn Meter entfernt ist, sehen wir nichts. Der Steuermann auch nicht, ausser er hat Röntgenaugen. Alle paar Minuten wird ein riesiger Scheinwerfer angemacht und die Umgebung des Bootes in Licht getaucht.

Gegessen wird in mehreren Schichten an einem langen Tisch im Heck des Bootes. Die Passagiere stellen sich brav in eine Schlange und warten, bis die Gruppe vor ihnen fertig ist. Es gibt Nudeln, Reis, Rindfleisch, dazu einen klebrigsüssen Obstsaft. Man kann so lange Nachschlag nehmen bis man satt ist.

Freitag, 16. November 2007

Ankunft in Manaus

Der zweite Morgen an Bord bringt dunkle Regenwolken.

Kleiner Passagier.

Die Regenwand kommt näher.


Und plötzlich sind wir mitten drin im tropischen Regenguss. Es pläddert fast zwei Stunden, als ob die Welt in der nächsten Sintflut untergehen soll.

Die offenen Flanken des Schiffes werden mit Plastikplanen geschützt.

Nach 44 Stunden Fahrt erreichen wir die ersten Ausläufer von Manaus.

Rund elf Kilometer vor Manaus (aus unserer Sicht) treffen sich die Flüsse Solimos und Rio Negro und vereinigen sich zum Amazonas. Das trübe lehmige Wasser des Solimos und das tiefschwarze Wasser des Rio Negro vermischen sich nur langsam. Die Trennlinie ist gut zu erkennen.

Links das Wasser des Solimos, rechts das Wasser des Rio Negro.

Nochmal die unterschiedlichen Wasserfärbungen.

Je näher man Manaus kommt, desto klarer sind die beiden Flüsse noch getrennt.

Die Containerverladestation von Manaus.

Erster Blcik auf die Skyline von Manaus.

Der Hafen kommt näher.

Dichtgedrängt liegen die Schiffe im Hafen.

Die Ankunft wird herbeigesehnt.

Freunde und Verwandte warten schon am Pier.

Ein letzter Blick auf unser Schiff von der Hotelterrasse.

Unser Hotel - ein Hauch von Beirut oder Bagdad umweht diesen Kasten. Das Nachbargebäude ist schon ausgebrannt.

Blick von der Hotelterrasse auf die Altstadt.

Das höchste Haus am Platze. Aus irgendeinem Grunde hat man ausgerechnet an der dem Amazonas zugewandten Seite auf Fenster verzichtet.

Blick Downtown. Die gelbe Kuppel in der Mitte ist das Dach des Teatro Amazon, des weltbereühmten Operhauses von Manaus.

Wo man auch hinguckt, die strotzt vor hässlichen Bauten.

Sag ich doch.

Appartmentgebäude (Ausschnitt).

Auf dem Amazonas zwischen Santarem und Manaus

Amazonas: Der Rest ist Ufer.

Manchmal sieht der Urwald wie eine gepflegte Parklandschaft aus.

Einer von mehreren Steuerleuten. Sie fahren nach Kompass, aber ohne Karte.

Ist das noch ein Fluss oder schon ein riesiger See?

Fischer.

Portugiesisch lernen an Bord.

Kleinere Dampfer übernehmen den Pendeldienst in den vielen Zuflüssen des Amazonas.

Zwischenstopp in einer Kleinstadt.

Gucken, obwohl alles meistens gleich aussieht.

Das Auto des Amazonas-Bewohners ist sein Boot.

Typisches einfaches Farmhaus am Ufer. Die Stelzen verhindern, das ungewollte tierische Gäste ins Schlafzimmer kriechen.

Hoffnungsträger der übernächsten Fußballweltmeisterschaft.

Hängemattenstilleben.


Nachdem dieses Päarchen mitbekommen hatte, das Gerda Portugiesisch spricht, gab es schnell Kontakt.