Mittwoch, 6. Februar 2008

81. Tag: Aufbruch nach Chile

Mittwoch, den 30. Januar 2008

Wir verlassen Calafate. Erst jetzt sieht man, wie zersiedelt die Stadt ist. Um die geschäftige Hauptstrasse ziehen sich mehrere staubige Wohnviertel. Die Frau von der Autovermietung erzählte uns, dass die Einwohnerzahl innerhalb der letzten Jahre von 8.000 Menschen auf über 20.000 angestiegen ist. Einzige Einnahmequelle ist der Tourismus. Da der aber spätestens im Juni wegen Winter zum Stillstand kommt, schliessen die meisten Geschäfte und Hotels dann für drei Monate. Statt 15 Flugzeuge pro Tag landen dann nur noch drei bis vier in der Woche auf dem stadtnahen Flughafen.

Der nächste Ort ist 150 Kilometer von Calafate entfernt. Ort ist eigentlich übertrieben. Es ist eine Tankstelle an einer Strassenkreuzung, eine Reifenwerkstatt und ein Restaurant. Die Tankstelle hat im Moment kein Superbezin, nur Super-Super und auch davon bekommen wir nur 20 Liter. Man wartet auf den Tankwagen, der irgendwann am Nachmittag kommen soll. Bis dahin ist Benzin rationiert. Super-Benzin kostet übrigens 1,60 Pesos pro Liter, also weniger als 0,40 Euro. Das Fangio genannte Super-Super 2,00 Pesos (0,50 Euro).

Die 20 Liter Benzin bringen uns komfortabel in die nochmal 150 Kilometer entfernte Grenzstadt Rio Turbio, die von einer Kohlemine dominiert wird. Überall stehen Güterwaggons mit Kohle vollgeladen herum. Trotzdem macht das ganze Schachtgelände einen verlassenen Eindruck.

Da der Sprit in Chile viermal so teuer wie in Argentinien ist, tanken wir noch einmal. Hier dürfen wir für 40 Pesos tanken, was gar nicht in unseren Tank geht, den Tankwart aber nicht davon abhält, es trotzdem zu versuchen.

Ein englisches Paar, Angela und John, spricht uns an. Sie sind mit dem Taxi von Chalten bis hierhin gekommen und suchen jetzt nach einer Möglichkeit, nach Punto Natales in Chile zu gelangen, weil der Taxifahrer nicht über die Grenze fährt. Da wir genau da auch hinwollen, nehmen wir die beiden natürlich mit.

Die Grenzformalitäten sind schneller erledigt als gedacht. Ausreisestempel, Einreisestempel, irgendwelche Zolldeklarationen ausfüllen, alles Obst bei den Chilenen abgeben und schon sind wir drin. Hat keine 30 Minuten gedauert.

Punto Natales entpuppt sich als malerische Küstenstadt. Die Häuser klein und bunt, mal mit Holz, mal mit Wellblech verkleidet. Zwischen der Stadt und dem Pazifik liegen nur eine Million kleine und kleinste Inseln, die teilweise beeindruckend hoch sind. Irgendwie erinnert die ganze Szenerie an Norwegische Fjorde.

Angela und John haben uns fürs Mitnehmen zum Abendessen eingeladen. Wir finden ein gemütliches Familien-Restaurant. Der Großvater, in Anzughose und Weste, die wenigen Haare mehrmals um den Schädel gekämmt, nimmt die Bestellungen mit Hilfe seiner punkigen Enkeltochter entgegen, die etwas englisch spricht, die Eltern kochen und der etwa 15jährige Sohn, der sich modisch an der englischen Ska-Truppe Madness orientiert, räumt alles wieder ab.

John, Unternehmensberater für Finanzinstitute, und Angela, Lehrerin, leben in Wales und sind für drei Wochen in Argentinien/Chile unterwegs. Sie werden morgen mit dem Schiff vier Tage lang durch die chilenische Inselwelt tuckern und dann über Bariloche nach Buenos Aires fahren. Wir streifen während des Abends so sämtliche Themen, von der Weltpolitik über Gartenarbeit bis hin zu Reiseempfehlungen und Kochrezepte. Am Ende des vergnüglichen Abends werden Adressen getauscht. Mal schauen, ob wir uns wiedersehen.

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