Donnerstag, den 31. Januar 2008
Chile hat nicht nur eine andere Uhrzeit (wir müssen die Uhr eine Stunde zurückstellen), sondern auch eine andere Währung als Argentinien, die aber verwirrenderweise genauso heisst. Der Bankautomat spuckt 100.000 Pesos aus, das Zimmer kostet 42.000 Pesos, ein Liter Benzin 6.800 Pesos. Das sind ziemlich abstrakte Zahlen solange man keinen Umrechnungskurs hat. Auf der Automatenquittung steht der Kurs nicht, in der Bank hängen nur Angebote für Hypothekenkredite, also fragen wir in einer Wechselstube: 6.500 Pesos will man uns da für einen Euro geben. (Am nächsten Tag verrät uns das Internet, dass der Wechselkurs bei ca. 6.800 Pesos für einen Euro liegt.)
Puerto Natales ist fest in der Hand von Touristen. Über 80 Prozent der Menschen trägt Outdoor-Kleidung: Hosen, deren Beine mindestens zweimal geteilt werden können und die soviele aufgenähte Taschen haben, dass man eigentlich keinen Rucksack mehr braucht, Wander- oder besser gesagt, Trekking-Schuhe und Windjacken. Der Grund für diesen Auftrieb ist der rund 110 Kilometer entfernte Nationalpark Torres del Paine. Der siebentägige Rundkurs um den gleichnamigen Berg ist so etwas wie ein Muss für Patagonien-Trekker.
Im chilenischen Teil Patagoniens ist die Hälfte des Landes unter Naturschutz gestellt und zu Natinalparks erklärt worden. Der Tourismus ist für die Region mittlerweile wichtiger geworden als die Viehzucht. Die Menschen sind nett und hilfsbereit und trotz der fortgeschrittenen Hochsaison überhaupt nicht genervt. Am Eingang des Nationalparks erklärt uns ein Helfer fast 20 Minuten lang, was wir alles unternehmen können, wo wir auf jeden Fall hinfahren sollten und das wir, falls wir doch länger als einen Tag bleiben möchten, sämtliche Wanderutensilien -vom Zelt bis zum Kocher - hier im Park ausleihen können.
Wir fahren zu einem kleinen Wasserfall und wandern von dort aus 45 Minuten in Richtung eines Aussichtspunktes. Wir kommen nie an, weil innerhalb einer halben Stunde das Wetter umgeschlagen ist. Dunkle Regenwolken verdrängen die Sonne, Nebel wabert über die Bergrücken und dann kommt er auch schon: kalter, harter Regen. Wir flüchten in ein nahegelegenes Hotel-Restaurant und geniessen einen der besten Lammbraten der Welt.
Der Wind, der uns gestern schon bei der Fahrt von Calafate nach Chile aufgefallen war und der typisch für Patagonien sein soll, hat sich zum Sturm entwickelt. Man bekommt kaum die Autotür auf und kann sich nur stolpernd bewegen. Wir verlassen den Nationalpark bei strömenden Regen.
Kurz vor der Stadt klart das Wetter wieder auf und wir besuchen noch die alte Eisfabrik und Schlachterei "Puerto Bories", wo über Jahrzehnte Lammfleisch von Chile nach Europa verschifft wurde.
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