Samstag, 16. Februar 2008

86. bis 91. Tag: Ushuaia

Montag, den 4. Februar, bis Samstag, den 9. Februar 2008

Ushuaia hat sich selbst den Titel "Südlichste Stadt der Welt" verliehen. Punto Arenas, das weiter nördlich liegt, nennt sich auch so, ist aber fast doppelt so gross wie Ushuaia. Puerto Williams, das auf der anderen Seite des Beagle-Kanals in der Tat weiter südlich liegt, nennt sich auch so, zählt aber mit seinen knapp 5.000 Einwohnern nicht wirklich als Stadt. Also schliessen wir uns Ushuaias Selbstdefinition einfach an, auch weil dieser Ort für uns wirklich der südlichste Punkt unserer Reise ist.

Patagonien und Feuerland sind ja eigentlich leere Landstriche mit gerade mal zwei statistischen Einwohnern pro Quadratkilometer. Wer aber die Einsamkeit in Ushuaia sucht, ist hier völlig falsch. Die Stadt zählt heute ca. 60.000 Einwohner und wächst und wächst. Ende der 90er Jahre wurde die Strasse zwischen Rio Grande und Ushuaia geteert, seitdem kommen immer mehr Touristen, die das Gefühl auskosten wollen, am Ende der Welt zu sein.

So steht man denn im Nationalpark "Tierra del Fuego" mit vielen Busladungen anderer Menschen vor einem Schild, dass hier die Nationalstrasse Ruta 3, die in Buenos Aires beginnt, nach 3300 Kilometern endet. Damit die vielen Besucher das ökologische Gleichgewicht im Park nicht gefährden, hat man kurzerhand den größten Teil des Gebiets für alle gesperrt und lässt die Touristen nur noch auf einigen markierten Wegen laufen.

Aber auch so gibt es immer noch genügend zu wandern und wir machen in den Tagen einige Ausflüge, bis schlechtes Wetter uns ausbremst. In den umliegenden Bergen schneit es, in der Stadt regnet es und Nebelschwaden hängen in den Strassen. Eine gute Zeit, um ins Museum zu gehen.

Der größte Arbeitgeber war neben dem Militär bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts das Gefängnis. Hierhin wurden Schwerstverbrecher und politische Gefangene abgeschoben. Flucht war sinnlos, denn es gab hier nichts, wohin man hätte fliehen können. Und die wenigen, die es versuchten, stellten sich nach ein paar Tagen halbverhungert.

Von Ushuaia sind es nur noch 1.000 Kilometer bis zum Südpol. Man kann in jedem Reisebüro Kreuzfahrten dorthin buchen, jeden zweiten, dritten Tag legt irgendein Schiff Richtung Eis ab. Rund 500 Dollar kostet der Spass pro Tag und pro Person.

Wir nutzen Ushuaia vorallem, um mal wieder runterzukommen und eine längere Zeit an einem Ort zu bleiben. Wir haben ein nettes, ruhiges Bed+Breakfast gefunden, wo wir uns ausbreiten können. Nur weil wir das Auto wieder in Calafate abgeben müssen, machen wir uns am Sonntag auf den Weg.

Am Samstag endet unsere 13. Reisewoche.

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