Donnerstag, den 17. Januar 2008
Rund um Uspallata wurde übrigens 1996 der Film "Sieben Jahre in Tibet" gedreht, in dem Brad Pitt den österreichischen Bergsteiger Heinrich Harrer spielt, der in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts den jungen Dalai Lama kennenlernte. Die Gegend um den kleinen Ort sieht nach Ansicht von Regisseur Jean-Jacques Annaud genauso aus wie die Täler Tibets.
Von den Produktionsbauten (in mühevoller Kleinarbeit war die tibetanische Hauptstadt Llahsa nachgebaut worden) ist leider nichts mehr erhalten. In unserem Hotel hängen zwei Bilder, die einen jungen Brad Pitt mit Baseball-Kappe bei einer Ansprache an die Crew zeigen. Und der Imbiss an der Ecke nennt sich Tibet (der Service ist so langsam, dass wir vermuten, die holen die Getränke und Speisen wirklich aus Tibet).
Wir brechen früh auf, um ins Valle de Calingasta zu fahren. Der Weg führt am Drehort des Films vorbei, der Cordillera de Ansilta, einer Gebirgskette mit sieben schneebedeckten Gipfel. Wieder einmal merken wir die Dimensionen dieses Landes. Der nächste Ort, Barreal, ist 108 Kilometer entfernt. Nur bis kurz hinter Uspallata und kurz vor Barreal ist die Strasse geteert. Der Rest ist wieder mal unser Lieblingsstrassenbelag: Schotter auf Waschbrettbodendellen. Drei staubige und heisse Stunden brauchen wir, bis wir Barreal erreichen.
Der kleine Ort ist ganz hübsch mit seinen Baumalleen. Aber in der Mittagshitze ist allgemeine Siesta und wir fahren gleich weiter ins Nahe Calingasta. Leider ist der Ort so klein, dass wir ihn glatt übersehen und 40 Kilometer weiter geradeaus in die gleichnamige Schlucht rasen. Ortsschilder oder Wegweiser sind in diesem Teil Argentiniens eher selten. Die Schlucht fängt idyllisch an, ein mäandernder Fluss, grüne Wiesen, grasende Pferde, und wird dann immer karger, bis sich zum Schluss das bräunliche Wasser nur noch durch Steinhalden und schroffe Felsen windet. Irgendwann taucht dann doch mal ein Hinweisschild auf: 40 Kilometer bis Calingasta, aber in die Richtung aus der wir gerade kommen. (Das Schild wird mir als einer der vielen Wendepunkte in meinem Leben in Erinnerung bleiben.)
Für die Rückfahrt über die Schotterpiste zwischen Barreal und Uspallata brauchen wir mit 90 Minuten nur die Hälfte der Zeit vom Vormittag. Wir haben aber keine Abkürzung entdeckt, sondern uns an die Fahrgewohnheiten der Gegend angepasst, und die heissen: Vollgas auf Schotter. Und siehe da, bei 80 Kilometer pro Stunde merkt man die Bodenrillen gar nicht mehr und das Auto schwimmt nur ein wenig auf dem krümeligen Belag (je schneller man fährt, desto kleiner sehen die Schotterbrocken aus). Wir werden sogar noch von einem Toyota Landcruiser überholt, der uns mit seiner langen Staubfahne für etliche Sekunden völlig blind zurücklässt. Doch das Leben ist diesmal gerecht. Wenige Kilometer später passieren wir den Wagen wieder, der mit einem kaputten Reifen am Rand steht. Wir fragen, ob wir helfen können, aber der Fahrer und seine Passagiere scheinen Reifenwechsel gewöhnt zu sein und winken uns freundlich vorbei.
Wir beschliessen den Tag mit einem Sprung in den Pool und einem Ziegenasado in unserer Lieblings-Parrilla (so heissen hier die Grills).
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen