Montag, 10. Dezember 2007

25. Tag: Brasilia

Mittwoch, den 5. Dezember 2007

Unser letzter Tag in der Hauptstadt. Da unser Flieger erst um 20 Uhr geht, beschliessen wir ein bischen mit dem Bus nach ausserhalb zu fahren. Laut Reiseführer soll der Zoo sehenswert sein. Wir laufen die 20 Minuten bis zum Busbahnhof und geben nach einer halben Stunde suchen auf. Wir finden in dem riesigen Terminal weder einen Streckenplan, noch jemanden, der uns Auskunft geben kann, welcher Bus zum Zoo fährt.

Stattdessen laufen wir in die Perepherie der Innenstadt. Nach wenigen Blocks hören die wuchtigen Verwaltungshochhäuser auf und machen Wohnblocks Platz. Je weiter wir stadtauswärts kommen, desto häufiger stehen Ladenlokale leer, desto schlechter wird der Bürgersteig. Laut Stadtplan soll einige Strassen von uns entfernt ein spirituelles Zentrum in Form einer grossen Pyramide stehen. Doch ehe wir dahin gelangen, gibt es andere geistige Verlockungen. Neben einer kleinen Markthalle mit Wurst- und Käsespezialitäten lädt eine Art Brasserie zum Verweilen ein. An einem grossen Tisch sitzt eine Gruppe von Männern beim Mittagessen. Sie trinken tatsächlich Rotwein aus richtigen Rotweingläsern. Man muss wahrscheinlich schon mal die brasilianische Freiluft- und Aussengastronomie gesehen haben, um zu wissen, dass dies hier aussergewöhnlich ist. Wir entschliessen uns, die Pyramide Pyramide sein zu lassen und bestellen einige Kleinigkeiten (Brot mit Olivenöl, durch den Wolf gedrehten Stockfisch und einen Fleischspies), die wirklich gut sind. Die interessantesten Dinge entdeckt man doch immer da, wo man sie nie vermutet.

Der Flughafen von Brasilia macht einen völlig überlasteten Eindruck. Der Flughafen von Sao Paulo auch. Wir schnappen uns ein Taxi und fahren durch die menschenleere Mega-Metropole. Sao Paulo gehört zu den gefährlichsten Städten Brasiliens. Es ist noch gar nicht lange her, da brachten eingesperrte Drogenbosse, die ihre Verlegung in andere Gefängnisse verhindern wollten, die Stadt an den Rand des Zusammenbruchs. Mehrere Tage lang stürmten krimminelle Banden Autobusse, fackelten sie samt Insassen ab, erschossen Polizisten, nahmen Geiseln und anderes mehr. In der Stadt ging gar nichts mehr, der Governeur musste den Ausnahmezustand ausrufen und mit den Gangsterbossen verhandeln. Nach Einbruch der Dunkelheit leeren sich die Strassen schnell, es sind kaum noch Fußgänger unterwegs und die Autos fahren zügig und halten ungerne an.

Die Tochter unserer Freundin Anne, bei der wir die nächsten zwei Tage schlafen, wohnt Broklin, einem Stadtteil Sao Paulos, der ehemals von deutschen Auswandern geprägt wurde. Jetzt ist er ein normaler Stadtteil, der deutschstämmige Anteil ist nicht mehr besonders hoch, aber immer noch gibt es ein Oktoberfest (als ob Deutschland nur aus Bayern bestehen würde) und wichtiger, Schwarzbrot zu kaufen.

Anne haben wir 2006 kennengelernt, als wir die kleine Stadt Novopetropolis in der Nähe von Porto Alegre besucht haben, und aus Zufall die Pension ihrer Mutter aussuchten. Annes Mutter stammt aus Österreich, ihr Vater aus der Schweiz. Die Eltern sind in den 30er Jahren auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach Brasilien ausgewandert und haben sich hier kennengelernt. Anne spricht perfekt Deutsch, hat mit ihrem Mann eine Farm im Nordosten betrieben, lange Jahre als Sekretärin für die brasilianische Tochter der Zahnradfabrik Friedrichshafen gearbeitet und drei Kinder großgezogen. Sie interessiert sich für Kunst, Kultur und Politik und ist unermüdlich im Beantworten unserer Fragen.

Keine Kommentare: