Donnerstag, den 6. Dezember 2007
Nach einem Frühstück mit Schwarzbrot, extra für uns gekauft, machen wir uns zum Museo de Arte de Sao Paulo (MASP) an der Avenida Paulista auf. Das Museum hat eine Sammlung mit allen wichtigen europäischen Malern der letzten 500 Jahre, viele brasilianische Künstler und eine ganze Etage mit wechselnder Gegenwarts-Fotografie, gesponsert von Pirelli.
Aber eigentlich sind wir gar nicht wegen der Kunst oder der Stadt in Sao Paulo (vor anderthalb Jahren haben wir hier mehrere Tage verbracht und die Stadt so gut kennengelernt, wie man eine 16-Millionen-Einwohner-Stadt eben in vier Tagen kennenlernen kann), sondern wegen Anne. Und deshalb verbringen wir den Nachmittag auch bei ihrer Tochter zuhause und erzählen und erzählen. Während wir uns über die Kriminalität in Sao Paulo, das Leben als Farmer im Nordosten und die Zeit der Militärdiktatur unterhalten, bricht draussen ein mehrstündiger Regen los. Statt Abendessen zu gehen, ordern wir Pizza. Wir sind gerade fertig, als der Strom ausfällt. Das ganze Viertel liegt im Dunkeln.
Annes Tochter Gabi ist Krankenschwester, arbeitet aber als Vertreterin für einen deutschen Pharmakonzern und berät Kliniken in Sachen Verbandsmaterial. Ihre beiden Töchter haben gerade Sommerferien, die dauern hier von Anfang Dezember bis Ende Januar. Die beiden Mädchen gehen auf Privatschulen, da das staatliche Schulsystem sehr schlecht ist. Staatliche Lehrer gehören zu den am schlechtest bezahlten öffentlichen Angestellten. Sie streiken immer wieder über Monate für eine bessere Entlohnung. In der Zeit fällt an den öffentlichen Schulen der Unterricht aus.
Als wir uns um elf Uhr bei Kerzenschein hinlegen, schwirrt uns der Kopf vor lauter Geschichten und Informationen.
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