Sonntag, den 16. Dezember 2007
Anfang des 17. Jahrhunderts gründeten die Jesuiten am Oberlauf des Flusses Parana rund 30 Missionen, um die dort lebenden Guarani-Indianer zu missionieren und aus den Nomaden Bauern zu machen. Während die Jesuiten in Europa eher reaktionär ausgerichtet waren und versuchten, den Einfluss der katholischen Kirche, der langsam zu bröckeln anfing, zu erhalten, waren die Missionen für die damalige Zeit erstaunlich fortschrittlich.
Die Missionare brachten den Glauben nicht mit dem Schwert, sondern mit Argumenten. Um den Indianern den Umstieg in die christliche Religion zu erleichtern, boten sie ihnen für ihren vielen Götter christliche Heilige als Ersatz an. Jede Familie bekam eigene Räume und eigene Felder. Gleichzeitig bewirtschaftete jede Familie noch ein Stück Acker für die Gemeinschaft. Jeder arbeitete pro Tag sechs Stunden, sonntags war frei. Ich will jetzt nicht zu hochgreifen, aber die Missionen waren ein Stück Ur-Sozialismus im Dschungel. Wer sich für weitere Einzelheiten interessiert, kann sich hier ein 13-seitiges PDF zum Thema runterladen: http://www.tt.fh-koeln.de/publications/bra0799.pdf
Wir besuchen auf der argentinischen Seite San Ignacio Mini. Mit fast 40.000 Einwohnern (!) zur damaligen Zeit die größte Mission. Danach geht es zurück nach Paraguay, wo wir die Mission in Trinidad del Parana besichtigen. Siehe die Fotos weiter unten. Beide Missionsüberreste sind von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden.
Während wir uns der Vergangenheit widmen, werden an diesem Sonntag in Paraguay die Weichen für die Zukunft gestellt. Die seit 60 Jahren regierende Colorado-Partei, der auch Diktator Alfredo Stroessner angehörte, wählt ihren Kandidaten für das Präsidentenamt. 2008 sind wieder Wahlen in Paraguay. (Für alle, die sich für die aktuelle politische Lage Paraguays und Hintergrundinfos interessieren, hier eine Leseempfehlung: Paraguay - Am Rande des Abgrunds? - Der Wahlkampftrubel in der "Democrácia Light")
http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/2636.html
Gewählt wurde mit knappem Vorsprung die derzeitige Bildungsministerin, die politisch dafür verantwortlich ist, dass Paraguay bei einem Schulvergleich von 131 Ländern auf Platz 131 landete. Politisches Versagen behindert die Karriere offensichtlich nicht.
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