Mittwoch, 12. Dezember 2007

30. Tag: Curitiba

Montag, den 10. Dezember 2007

Heute steht ein touristischer Höhepunkt an: eine Fahrt mit der Eisenbahn von Curitiba durch den Dschungel der Serra do Mar-Bergkette nach Morretes. Die 110 Kilometer lange Strecke wurde 1880 gebaut, um Curitiba mit der Hafenstadt Paranagua zu verbinden. Fünf Jahre lang schufteten tausende von Arbeitern unter schrecklichsten Bedingungen, um diesen technischen Kraftakt zu vollbringen. Dreizehn Tunnel mussten in den Berg geschlagen werden, unzählige Brücken und Galerien überspannen die vielen Flüsse, Bäche und Täler. 5000 (!) Arbeiter kamen beim Bau der Strecke ums Leben.

Gemächlich verläßt der kleine, von einer Diesellokomotive gezogene Zug den Bahnhof von Curitiba. Mit 25 bis 30 Stundenkilometer bummeln wir über die Gleise, alle paar Minuten warnt der Lokführer mit einem Pfeifton Autofahrer und Fußgänger vor dem Herannahen des Zuges. Beschrankte Bahnübergänge gibt es nämlich nicht. Schon wenige Kilometer hinter der Stadt beginnt der Urwald. Und zwar richtiger, undurchdringlicher Urwald und nicht so ein Niederrhein-Gehölz wie wir es am Amazons gesehen haben. Die Bäume stehen dicht an dicht, überwuchert von irgendwelchen Parasitenpflanzen, umgeben von dichtem Unterholz. Der Wald zieht sich endlos die Berghänge hinauf, die Bergspitzen verschwinden in den Wolken. In diesen Wäldern könnte King Kong wohnen.

Mit zunehmder Höhe bleibt die Schwüle Curitibas zurück und durch die weit geöffneten Fenster weht ein kühler Wind. Drei Stunden dauert die Fahrt nach Morretes, einem kleinen malerischen Ort in den Bergen. Manchmal stockt einem der Atem, wenn die Bahn an einem steilen Abgrund millimeterscharf vorbeifährt und man mehrere hundert Meter unter sich einen kleinen Bach fliessen sieht. Oder wenn der Zug im Schrittempo über die 104 Meter hohe, alte genietete Eisenbrücke fährt und man durch die Schwellen bis auf den Boden blicken kann.

In Morretes bleiben uns vier Stunden Zeit die dortige Spezialität Barreado zu probieren. Das ist ein deftiger Eintopf aus Rindfleisch, Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln und Gewürzen, der mindestens 10 Stunden in einem alten Eisentopf köcheln muss. Der 15.000 Einwohner zählende Ort hat 26 Restaurants. Ein Beleg dafür, dass hier am Wochenende die Hölle los sein muss. Aber an diesem Montag sind wir fast die einzigen Gäste im Ort. Die meisten anderen Bahnfahrer nutzen den schnelleren Bus für die Rückfahrt. Als der Zug um 15 Uhr wieder nach Curitiba aufbricht, haben wir fast den ganzen Waggon für uns alleine.

Keine Kommentare: