Montag, 24. Dezember 2007

34. Tag: Von Foz de Iguacu nach Asuncion

Freitag, den 14. Dezember 2007

Am Nachmittag verlassen wir Brasilien und brechen nach Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay auf. Die Busfahrt dauert fünf Stunden. Paraguay ist mit 400.000 Quadratkilometer Fläche ein ganzes Stück größer als die Bundesrepublik, die es nur auf 350.000 Quadratkilometer bringt. Auf diesem Gebiet leben aber nur 6,5 Millionen Menschen und davon auch noch die meisten, ein gutes Drittel, im Großraum Asuncion. Paraguay ist immer noch ein agrarisch geprägtes Land mit extrem einseitigen Besitzverhältnissen. Ein Prozent der Einwohner gehören 77 Prozent des Bodens.

Wie überall in Lateinamerika geht die Schere zwischen Arm und Reich extrem auseinander. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1.600 US-Dollar pro Kopf liegt das Land in Südamerika auf den hinteren Rängen (zum Vergleich: Brasilien 16.000 US-Dollar und Bundesrepublik 37.000 US-Dollar Wirtschaftsleistung pro Kopf ). Die meisten Einwohner, besonders die Landbevölkerung, gilt als arm. Nur bei der Korruption liegt das Land ganz weit vorne, laut einer UN-Untersuchung auf Platz 2. Was von den Menschen mit der Scherzfrage lakonisch kommtentiert wird: Warum liegt Paraguay nur auf Platz 2? Weil wir den ersten Paltz verkauft haben!

Wir reisen über Ciudad del Este, der zweitgrößten Stadt des Landes, ein und erleben die Armut sofort hautnah. Bereits in der Paßstation, wo wir unsere Pässe stempeln lassen, bieten uns verwahrloste Kinder Kaugummi und Bonbons zum Kauf an, andere betteln einfach nur. Neben dem Busbahnhof, auf einem mit Müll übersähten Grundstück ist aus Plastikplanen eine Zeltstadt entstanden, in der die Erwachsenen apathisch in der Hitze vor ihren Verschlägen hocken und schmutzige Kleinkinder spielen.

An einer Kreuzung rennt ein offensichtlich geistig verwirrter Mann mit vollem Tempo gegen einen Laternenpfahl, hebt dann einen Stein auf und schleudert ihn in das Seitenfenster unseres Busses. Unser Fahrer ist von oben bis unten mit Scherben übersäht. Ein Verkehrspolizist, der alles mit angesehen hat, dreht sich teilnahmslos weg.

In Asuncion werden wir von Federico Junkers abgeholt. Er gehört zum argentinischen Zweig der Familie meines Schwagers. Walter Junkers, Federicos Großvater, ist 1908 nach Südamerika ausgewandert und hat in Argentinien eine Farm gegründet. Federico lebt mit seiner Frau seit 18 Jahren in Asuncion und betreibt ein Lebensmittelgeschäft und eine kleine Eisfabrik. Ausserdem treffen wir noch Thomas, den Freund von Gerdas Nichte Hanne, der hier ein journalistisches Praktikum bei einem deutschsprachigen Magazin macht. (Hanne wird auch noch erwartet, kommt aber wegen diverser technischen Probleme der Air France erst mit 24stündiger Verspätung aus Europa an.)

Wir lassen den Tag auf der Terrasse einer netten Kneipe ausklingen, wo gut gekleidete junge Leute ihr Bier trinken. Hier ist nichts von Armut zu spüren.

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